Chapter 04

Montage und Bikefitting: vom Karton zur ersten Ausfahrt

Das Fahrrad im Versandkarton kommt zu 90 % fertig an. Wie Sie die restlichen 10 % erledigen, entscheidet über Sicherheit und Fahrgefühl. Von der Werkzeugauswahl über Schraubendrehmomente und das Linksgewinde des linken Pedals bis zur passenden Sattelhöhe gehen wir alles der Reihe nach durch.

Lesezeit ca. 22 Minuten4 interaktive Elemente2 Infografiken
11Schritte
Montageschritte vom Auspacken bis zur ersten Probefahrt
0.883
Schrittlängen-Faktor der LeMond-Formel (Sattelhöhe)
5Nm
Typisches Anzugsmoment für Vorbau- und Sattelstützenschrauben
100km
Empfohlene Strecke bis zum ersten Nachcheck nach der Montage

Vorab: selbst montieren oder zum Fachhändler?

Wer ein Fahrrad online bestellt, bekommt meist einen gut 1,3–1,5 m langen Karton geliefert. Beim Öffnen ist man überrascht, wie viel bereits montiert ist: Schaltung, Bremsen und Kurbel sitzen am Rahmen, auch das Hinterrad ist eingebaut. Um das Packmaß zu verringern, sind meist nur Vorderrad, Lenker (oder samt Vorbau), Sattel mit Sattelstütze und Pedale abgenommen. In der Branche spricht man hier oft von „90 % vormontiert“.

Das Problem: Die restlichen 10 % sind ausgerechnet die sicherheitsrelevantesten. Die Vorbauschrauben, die den Lenker halten, Schnellspanner oder Steckachse am Vorderrad, die Sattelklemme, die das Körpergewicht trägt, und die Pedalgewinde, die Tretkräfte von Dutzenden Kilogramm aufnehmen – all das gehört zu diesen 10 %. Zudem können durch Vibrationen und Stöße beim Transport auch an den werkseitig montierten 90 % die Bremsbeläge verrutscht oder die Schaltzugspannung leicht verändert sein. Die Montage eines Rads aus dem Karton ist daher weniger „restliche Teile anbauen“ als vielmehr „Endmontage mit Gesamtcheck“.

Vorteile und Grenzen der Selbstmontage

Der größte Vorteil der Selbstmontage: Sie lernen den Aufbau Ihres Rads mit den eigenen Händen kennen. Wer einmal selbst gesehen hat, in welcher Reihenfolge die Vorbauschrauben angezogen werden oder wie sich die Beläge beim Ziehen des Bremshebels bewegen, bleibt später bei kleinen Pannen unterwegs viel gelassener. Mit ein paar Werkzeugen kostet es nichts, und man kann noch am Liefertag losfahren.

Die Grenzen sind aber ebenso klar. Muss die Leitung einer hydraulischen Scheibenbremse gekürzt, der Gabelschaft gekürzt oder die Anschlagschrauben (Limit Screws) des Schaltwerks komplett neu eingestellt werden, ist das ohne Erfahrung schwierig. Vor allem beim Kürzen eines Carbon-Gabelschafts kann ein einziger Fehler eine Gabel im Wert von mehreren Hunderttausend KRW unbrauchbar machen. Manche Marken knüpfen die Garantie zudem an die Montage durch einen autorisierten Händler – prüfen Sie die Garantiebedingungen daher vor dem Kauf.

Worauf Sie beim Fachhändler achten sollten

Auch wenn Sie die Montage dem Fachhändler überlassen, ist es mit „einfach abgeben“ nicht getan. Ein guter Mechaniker erledigt neben der Montage gleich auch die Bremsausrichtung, die Schaltungseinstellung, die Kontrolle des Seiten- und Höhenschlags der Laufräder und der Schraubendrehmomente. Fragen Sie vorab, was im Montagepreis enthalten ist, ob ein Basis-Fitting wie die Sattelhöhe dazugehört und ob es einen kostenlosen Nachcheck gibt, bei dem die anfängliche Zuglängung korrigiert wird. Ist der erste Nachcheck inklusive, lohnt sich ein etwas höherer Montagepreis auf lange Sicht.

Unser KompromissvorschlagHaben Sie das Werkzeug und ein Rad mit mechanischer Schaltung, wagen Sie die Montage selbst – und lassen Sie den Check nach den ersten 100 km beim Fachhändler machen. So haben Sie beides: die eigene Erfahrung und die Kontrolle durch einen Profi.

Checkliste Werkzeug

Für die Montage eines Rads aus dem Karton braucht es kein großes Werkzeugarsenal, doch ein paar Dinge sind unersetzlich. Eines davon ist der Drehmomentschlüssel. Früher reichte „nach Gefühl“, doch heute, wo leichte Aluminium- und Carbonteile Standard sind, kann schon eine um 2–3 Nm zu fest angezogene Schraube ein Teil beschädigen. Ein kleiner Drehmomentschlüssel mit Bits für 2–15 Nm deckt nahezu alle Schrauben ab, die bei der Montage anfallen.

Ein weiteres oft übersehenes Werkzeug ist das Torx T25-Bit. Schrauben mit diesem sternförmigen Kopf sitzen an Bremsscheiben sowie an manchen Vorbauten und Sattelklemmen. Wer sie mit einem Inbusschlüssel gewaltsam dreht, rundet oft den Schraubenkopf aus – legen Sie sich also unbedingt eines zu. Tippen Sie unten auf die Karten der Werkzeuge, die Sie besitzen: Der Fortschritt wird angezeigt und automatisch im Browser gespeichert, sodass er beim nächsten Besuch erhalten bleibt.

Interactive 1

Checkliste Werkzeug

0 / 8 Pflichtwerkzeuge Gesamt 0 / 14

Tippen Sie auf die Werkzeuge, die Sie besitzen.

Montage Schritt für Schritt

Jetzt geht es an die eigentliche Montage. Die Anleitung unten bezieht sich auf gängige Kompletträder, die im Karton geliefert werden – etwa Rennräder, Fitnessbikes und Hardtail-MTBs. In jedem Schritt wird die betreffende Stelle in der Grafik hervorgehoben, dazu sehen Sie benötigtes Werkzeug, empfohlenes Drehmoment und typische Fehler. Sie können auch mit den Pfeiltasten ← → navigieren; haken Sie erledigte Schritte mit der Schaltfläche „Erledigt“ ab. Ihr Fortschritt wird in diesem Browser gespeichert.

Eines vorweg: Die Drehmomentwerte in dieser Anleitung sind lediglich branchenübliche Richtwerte. Vorrang haben immer die Werte, die auf dem Teil selbst eingraviert oder in der Anleitung angegeben sind. Selbst bei Vorbauten verlangt der eine Hersteller 4 Nm, der andere 8 Nm.

Interactive 2

Montage-Assistent für Komplettrad

1 / 11 · erledigt 0
    Seitenansicht des Fahrrads: Der Bereich des aktuellen Schritts wird hervorgehoben
    Hervorgehoben: alles
    STEP 01

    Auspacken und Teile prüfen

    Öffnen Sie den Karton aufrecht stehend von oben und heben Sie das Rad heraus. Wer den Karton hinlegt und mit dem Cuttermesser tief aufschlitzt, zerkratzt leicht den Rahmen – fahren Sie die Klinge nur kurz aus und schneiden Sie entlang der Klebebänder. Halten Sie beim Durchtrennen der Kabelbinder den Seitenschneider nach außen, damit Sie nicht versehentlich daneben verlaufende Schalt- und Bremszüge oder Hydraulikleitungen erwischen.

    Prüfen Sie danach den Kleinteilekarton vollständig (Pedale, Reflektoren, Klingel, Anleitung, Steckachse, Ersatzschrauben). Bei Modellen mit hydraulischen Scheibenbremsen entfernen Sie den Transportsicherungs-Spacer aus Kunststoff zwischen den Belägen erst unmittelbar vor dem Einbau des Laufrads. Wird der Hebel ohne Spacer gezogen, fahren die Kolben aus und die Beläge kleben aneinander.

    Werkzeug
    Schere/Seitenschneider, Cutter
    Drehmoment
    Entfällt
    Dauer
    ca. 10 Min.

    Typischer FehlerDie Verpackung voreilig entsorgen. Falls Rückgabe oder Umtausch möglich sein könnten, bewahren Sie Verpackung und Karton mindestens zwei Wochen auf. Oft verstecken sich auch kleine Schraubentütchen zwischen dem Polstermaterial.

    STEP 02

    Lenker und Vorbau montieren

    Bei den meisten Rennrädern ist der Vorbau an der Gabel montiert, nur der Lenker ist abgenommen. Lösen Sie die Schrauben der vorderen Lenkerklemmplatte, setzen Sie den Lenker mittig ein und richten Sie die Mittelmarkierung symmetrisch zu beiden Seiten des Vorbaus aus. Ziehen Sie die Schrauben über Kreuz (X-Muster) schrittweise abwechselnd an, damit der Spalt oben und unten gleichmäßig bleibt. Viele Vorbauten schreiben vor, oben ohne Spalt zu klemmen und nur unten einen Spalt zu lassen – prüfen Sie die Anleitung.

    Ist der Vorbau von der Gabel getrennt geliefert, kommt es auf die Reihenfolge an: Zuerst den Vorbau auf den Gabelschaft schieben, dann mit der Ahead-Kappenschraube oben das Steuersatzspiel (Vorspannung) einstellen, Vorderrad und Vorbau in eine Linie bringen und zuletzt die seitlichen Klemmschrauben des Vorbaus abwechselnd anziehen. Die Kappenschraube dient nur zum Beseitigen des Spiels, nicht zur Befestigung, und muss nicht fest angezogen werden. Richtig ist es, wenn beim Vor- und Zurückschieben mit gezogener Vorderradbremse kein „Klacken“ im Steuerkopf zu spüren ist und sich der Lenker frei und geschmeidig drehen lässt.

    Werkzeug
    4-/5-mm-Inbus, Drehmomentschlüssel
    Drehmoment
    Klemmplatte 4–6 Nm · Schaftklemmung 5–6 Nm
    Dauer
    ca. 10 Min.

    Typischer FehlerErst die Schaftklemmung anziehen und dann die Kappe. So wird gar keine Vorspannung aufgebaut, und der Steuersatz behält Spiel. Prüfen Sie außerdem beim Einsetzen des Lenkers unbedingt, dass sich keine Züge verdreht haben.

    STEP 03

    Vorderrad einbauen (Schnellspanner/Steckachse)

    Bei Scheibenbremsen zuerst den Spacer zwischen den Belägen entfernen und das Laufrad senkrecht in die Ausfallenden der Gabel absenken, sodass die Bremsscheibe zwischen die beiden Beläge gleitet. Prüfen Sie auch, ob der Richtungspfeil auf der Scheibe mit der Drehrichtung beim Vorwärtsfahren übereinstimmt.

    Beim Schnellspanner (QR) stellen Sie bei geöffnetem Hebel die Spannung über die Mutter auf der Gegenseite von Hand ein. Richtig ist es, wenn Sie beim Schließen etwa ab der Hälfte Widerstand spüren und der Hebel am Ende einen Abdruck in der Handfläche hinterlässt. Denken Sie daran: Der Hebel wird nicht wie eine Flügelmutter festgedreht, sondern per Exzenter zugedrückt. Zeigt der geschlossene Hebel nach hinten zur Gabelscheide, kann er sich unterwegs nirgends verfangen.

    Die Steckachse wird bis ins Gewinde des gegenüberliegenden Ausfallendes geschoben und dort eingeschraubt. Geben Sie etwas Fett aufs Gewinde; bei Hebelachsen schließen Sie den Hebel, bei Achsen mit Inbus ziehen Sie mit dem Drehmomentschlüssel auf den Sollwert an. Üblich sind vorn 12×100 mm am Rennrad und 15×110 mm beim MTB-Boost-Standard.

    Werkzeug
    Hand / 6-mm-Inbus, Drehmomentschlüssel, Fett
    Drehmoment
    Steckachse 12–15 Nm (je nach Produkt)
    Dauer
    ca. 5 Min.

    Typischer FehlerDen QR-Hebel wie eine Flügelmutter im Kreis drehen und für „fest“ halten. Das wirkt zwar fixiert, erzeugt aber kaum Klemmkraft – das Laufrad kann herausfallen. Auch die Sicherungsnasen (Lawyer Lips) am Gabelende ändern an dieser Gefahr nichts.

    STEP 04

    Sattel und Sattelstütze montieren

    Setzen Sie eine Alu-Sattelstütze in einen Alu- oder Stahlrahmen, tragen Sie dünn Fett auf, damit sie nicht festkorrodiert; bei Carbonstütze oder Carbonrahmen nehmen Sie statt Fett Carbon-Montagepaste. Die auf der Stütze markierte Mindesteinstecktiefe (MIN INSERT) muss vollständig im Rahmen verschwinden; gibt der Rahmenhersteller eine eigene Mindesteinstecktiefe vor, gilt der tiefere der beiden Werte.

    Stellen Sie die Höhe zunächst grob ein und justieren Sie sie später mit dem Wert aus dem Fitting-Rechner unten. Klemmen Sie die Sattelstreben etwa in der Mitte der Skala, richten Sie die Sitzfläche waagerecht aus und ziehen Sie dann die Klemmung an. Vergessen Sie nicht, die Sattelnase in einer Linie mit dem Oberrohr auszurichten.

    Werkzeug
    4-/5-mm-Inbus, Drehmomentschlüssel, Fett oder Carbonpaste
    Drehmoment
    Sattelklemme 5–7 Nm · Sattelstrebenklemmung je nach Bauart
    Dauer
    ca. 5 Min.

    Typischer FehlerDie Klemme zu fest anziehen, weil die Stütze rutscht. Bei Carbonteilen ist das der direkte Weg zum Riss. Rutscht die Stütze, erhöhen Sie nicht das Drehmoment, sondern entfetten Sie die Oberfläche und tragen frische Carbonpaste auf.

    STEP 05

    Pedale montieren (links Linksgewinde!)

    Am Ende der Pedalachse ist meist R bzw. L eingraviert. Das rechte Pedal (Kettenseite) hat ein normales Gewinde und wird im Uhrzeigersinn angezogen, das linke ein Linksgewinde und wird gegen den Uhrzeigersinn angezogen. Wer unsicher ist, merkt sich eine einzige Regel, die für beide Seiten gilt: „Schlüssel oben ansetzen und Richtung Fahrradfront drücken – dann zieht es fest.“

    Fetten Sie das Gewinde ein und drehen Sie die ersten Umdrehungen unbedingt mit den Fingern, um zu prüfen, ob das Gewinde gerade greift. Lässt es sich nicht leicht von Hand eindrehen, sitzt das Pedal schief – sofort herausdrehen und neu ansetzen. Erst wenn es ganz eingedreht ist, ziehen Sie es mit dem Pedalschlüssel auf das vorgeschriebene Drehmoment an.

    Werkzeug
    15-mm-Pedalschlüssel oder 8-mm-Inbus, Fett
    Drehmoment
    35–40 Nm (je nach Hersteller bis 55 Nm)
    Dauer
    ca. 5 Min.

    Typischer FehlerDas linke Pedal mit Gewalt im Uhrzeigersinn eindrehen. Das Gewinde der Alukurbel ist schnell ruiniert, und es braucht eine neue Kurbel oder eine Gewindereparatur (Helicoil). Prüfen Sie die Richtung unbedingt in der Animation unten.

    STEP 06

    Bremsen prüfen

    Klären Sie zuerst, welcher Hebel die Vorderradbremse betätigt. Die Anordnung links/rechts unterscheidet sich je nach Land und Marke; am sichersten ist es, das Laufrad anzuheben, zu drehen und nacheinander jeden Hebel zu ziehen. Voll gezogen darf der Hebel den Lenker nicht berühren – mindestens eine Fingerbreite Abstand sollte bleiben.

    Bei Scheibenbremsen drehen Sie das Laufrad und horchen, ob die Scheibe an den Belägen schleift. Falls ja, lösen Sie die beiden Befestigungsschrauben des Bremssattels leicht, halten den Hebel fest gezogen und ziehen die Schrauben abwechselnd wieder an – so zentriert sich der Sattel auf der Scheibe. Bei Felgenbremsen prüfen Sie, ob die Beläge exakt auf die Felgenflanke treffen, den Reifen nicht berühren und vorne minimal früher greifen („Vorspur“).

    Werkzeug
    5-mm-Inbus, T25, Drehmomentschlüssel, Entfetter
    Drehmoment
    Bremssattel 6–8 Nm · Scheibenschrauben 2–4 Nm
    Dauer
    ca. 10 Min.

    Typischer FehlerDie Bremsscheibe mit bloßen Händen anfassen. Gelangt Hautfett auf die Beläge, sinkt die Bremsleistung deutlich und es entstehen Geräusche. Fassen Sie Scheiben am Rand an und reinigen Sie verschmutzte Scheiben mit Isopropylalkohol.

    STEP 07

    Schaltung prüfen

    Hängen Sie das Rad in einen Montageständer oder lassen Sie jemanden den Sattel anheben, kurbeln Sie und schalten Sie das Schaltwerk Gang für Gang hoch und runter. In jedem Gang muss die Kette geräuschlos sitzen, und an den Endanschlägen – größtes und kleinstes Ritzel – darf sie weder in die Speichen noch gegen den Rahmen springen. Schaltet es verzögert auf größere Ritzel, drehen Sie die Zugeinstellschraube in Vierteldrehungen gegen den Uhrzeigersinn; schaltet es verzögert auf kleinere Ritzel, im Uhrzeigersinn – so lässt sich die Zugspannung fein einstellen.

    Recht häufig verbiegt sich beim Transport das Schaltauge (die kleine Metallhalterung, an der das Schaltwerk sitzt). Stehen die Schaltröllchen von hinten gesehen nicht parallel zur Kassette, sondern nach innen geneigt, liegt der Verdacht auf ein verbogenes Schaltauge nahe – lassen Sie es beim Fachhändler mit einer Richtlehre prüfen. Bei elektronischer Schaltung prüfen Sie zuerst Akkustand und Kopplung.

    Werkzeug
    Montageständer (empfohlen), Hand, 2-mm-Inbus
    Drehmoment
    Schaltwerksbefestigung 8–10 Nm
    Dauer
    ca. 10–20 Min.

    Typischer FehlerBei jedem Problem sofort an den Anschlagschrauben (H/L) drehen. Ab Werk sind sie meist korrekt eingestellt; die meisten Schaltprobleme löst man über die Zugspannung (Einstellschraube). Fassen Sie die Anschlagschrauben nur an, wenn die Kette über das letzte Ritzel hinausspringt.

    STEP 08

    Reifendruck einstellen

    Nach dem Versand sind die Reifen meist fast leer. Prüfen Sie den auf der Reifenflanke angegebenen Druckbereich (Minimum bis Maximum) und füllen Sie innerhalb dieses Bereichs passend zu Körpergewicht und Untergrund auf. Gängige Ausgangswerte: Rennradreifen 25–28 mm ca. 5–6,5 bar (70–95 psi), Fitnessbike 35–45 mm ca. 3–4,5 bar (45–65 psi), MTB 2,2–2,4 Zoll tubeless ca. 1,5–2 bar (22–30 psi). Inzwischen hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass bei gleicher Breite ein niedrigerer Druck als früher sowohl Rollwiderstand als auch Grip zugutekommt.

    Bei Hookless-Felgen ist der Höchstdruck laut Standard auf 5 bar (72,5 psi) begrenzt – hier hat die Angabe der Felge Vorrang vor der des Reifens. Bei Presta-Ventilen lösen Sie zuerst die kleine Rändelmutter an der Spitze und drücken einmal kurz darauf, damit sich das Ventil löst; erst dann den Pumpenkopf aufsetzen, sonst geht kaum Luft hinein.

    Werkzeug
    Standpumpe mit Manometer
    Drehmoment
    Entfällt
    Dauer
    ca. 5 Min.

    Typischer Fehler„Maximaldruck = empfohlener Druck“. Füllt man bis zum Maximum, leiden Komfort und Grip, und sitzt der Wulst nicht richtig, kann der Reifen sogar platzen. Prüfen Sie beim Aufpumpen, ob die Wulstlinie rundum gleichmäßig an der Felge sichtbar ist.

    STEP 09

    Abschließende Drehmomentkontrolle

    Prüfen Sie nicht nur die selbst montierten, sondern auch die werkseitig angezogenen Schrauben einmal durch. Gehen Sie von oben nach unten und von vorn nach hinten vor, dann vergessen Sie nichts: Lenkerklemmplatte → Schaftklemmung → Klemmung der Schalt-/Bremshebel → Sattelklemme → Sattelstreben → Achsen vorn und hinten → Bremssättel → Kurbel → Pedale → Flaschenhalter.

    Ziehen Sie den Drehmomentschlüssel langsam und mit gleichmäßiger Kraft und stoppen Sie sofort, sobald er „klickt“ oder anzeigt. Klickt er beim Kontrollieren einer bereits angezogenen Schraube sofort, kann sie auch fester als vorgeschrieben angezogen sein – behalten Sie das im Hinterkopf.

    Werkzeug
    Drehmomentschlüssel, Inbus- und T25-Bits
    Drehmoment
    Siehe Drehmomenttabelle unten
    Dauer
    ca. 10 Min.

    Typischer Fehler„Etwas fester ist sicherer.“ Zu hohes Drehmoment längt Schrauben oder zerdrückt Carbonteile. Der vorgegebene Wert ist der sicherste.

    STEP 10

    Abschließender Sicherheitscheck (M-Check)

    Beim beliebten „M-Check“ der Mechaniker gehen Sie das Rad auf einem M-förmigen Weg ab: vom Vorderrad zum Lenker, den Rahmen hinunter zur Kurbel, wieder hinauf zum Sattel und hinunter zum Hinterrad. Heben Sie das Vorderrad an und rütteln Sie seitlich, um Nabenspiel zu erkennen, und drehen Sie es, um Seitenschlag zu prüfen. Klemmen Sie das Vorderrad zwischen die Knie und verdrehen Sie den Lenker – der Vorbau darf sich nicht verdrehen –, und rütteln Sie seitlich an der Kurbel, um Tretlagerspiel auszuschließen.

    Heben Sie das Rad zum Schluss etwa 10 cm an und lassen Sie es auf den Boden plumpsen. Klappert etwas, ist irgendwo ein Teil nicht fest genug angezogen. Gesetzlich vorgeschriebene und sicherheitsrelevante Ausstattung wie Reflektoren, Klingel und Licht montieren Sie ebenfalls in diesem Schritt.

    Werkzeug
    Hände, Augen, Ohren
    Drehmoment
    —
    Dauer
    ca. 5 Min.

    TippNotieren Sie Auffälligkeiten und prüfen Sie sie beim Check nach 100 km erneut. Überraschend viele Probleme zeigen sich nicht direkt nach der Montage, sondern erst einige Tage später.

    STEP 11

    Erste Probefahrt

    Beginnen Sie die erste Probefahrt auf einer weiten, ebenen, autofreien Fläche in Schrittgeschwindigkeit. Ziehen Sie beide Bremsen einzeln, um Bremsgefühl und Geräusche zu prüfen, und schalten Sie langsam mehrmals durch alle Gänge. Bei Scheibenbremsen ist jetzt ein guter Zeitpunkt zum Einbremsen: Bremsen Sie etwa 20-mal kräftig von 20–25 km/h auf Schrittgeschwindigkeit herunter. So lagert sich Belagmaterial gleichmäßig auf der Scheibe ab, und die Bremsleistung stabilisiert sich. Bremsen Sie dabei aber nicht bis zum völligen Stillstand.

    Halten Sie nach 10–15 Minuten Fahrt an und spüren Sie erneut nach, wie Sattelhöhe und Lenkerposition passen. Schmerzt das Knie vorn, ist der Sattel vermutlich zu tief oder zu weit vorn; zieht es in der Kniekehle oder kippt das Becken seitlich, ist er wahrscheinlich zu hoch. Korrigieren Sie in kleinen Schritten von höchstens 5 mm.

    Werkzeug
    Helm, Inbus-Multitool für unterwegs
    Drehmoment
    —
    Dauer
    15–30 Min.

    Geschafft!Die Montage ist abgeschlossen. Stellen Sie jetzt mit dem Fitting-Rechner unten die Sattelhöhe präzise ein und tragen Sie den Check nach den ersten 100 km in Ihren Kalender ein.

    Tastatur: ← → wechselt den Schritt · Space markiert als erledigt (wenn das Widget den Fokus hat)

    Warum hat das linke Pedal ein Linksgewinde?

    Der häufigste Fehler bei der ersten Montage: das linke Pedal in die falsche Richtung drehen. Das rechte Pedal (Kettenseite) hat ein ganz normales Rechtsgewinde und wird im Uhrzeigersinn angezogen, das linke dagegen ein Linksgewinde, das gegen den Uhrzeigersinn angezogen wird. Grund dafür ist ein Phänomen namens Präzession.

    Zwischen Pedalachse und Gewindebohrung der Kurbel gibt es ein winziges Spiel. Dreht sich die Kurbel beim Treten, rollt die belastete Pedalachse innerhalb dieses Spiels an der Wand der Gewindebohrung entlang. Diese Abrollbewegung dreht die Pedalachse ganz allmählich entgegen der Kurbeldrehung. Auf der rechten Seite entspricht diese Richtung zufällig dem Anziehen eines Rechtsgewindes, auf der linken Seite nach demselben Prinzip dem Lösen. Hätten beide Seiten Rechtsgewinde, würde sich das linke Pedal während der Fahrt nach und nach losdrehen. Deshalb verwendet man links ein Linksgewinde – so wirkt die Präzession auf beiden Seiten in Anzugsrichtung.

    Weil es der Intuition widerspricht, hilft die oben genannte Regel: Schlüssel oben an der Pedalachse ansetzen, Richtung Fahrradfront drücken = festziehen, nach hinten ziehen = lösen. Das gilt für beide Pedale gleichermaßen. Vergleichen Sie in der Animation unten, in welche Richtung jedes Pedal – von außen betrachtet – angezogen wird und wie die Gewindegänge geneigt sind.

    Animation

    Simulation der Pedalgewinde-Richtung

    Linkes Pedal: Linksgewinde, das von außen gesehen gegen den Uhrzeigersinn angezogen wird Linkes Pedal · L · Linksgewinde Ansicht von außen Kurbelarm → Tretlager 15mm ◀ Vorn Gegen den Uhrzeigersinn ↺ Kurbel im Schnitt Pedalkörper (außen ◀) 9/16″×20 TPI · LH Schnitt von hinten · Steigung übertrieben dargestellt
    Oben: Kurbel und 15-mm-Pedalschlüssel von außen (links) gesehen. Unten: Beim Linksgewinde sind die Gewindegänge entgegengesetzt zum Rechtsgewinde geneigt (/-Richtung).
    Rechtes Pedal: Rechtsgewinde, das von außen gesehen im Uhrzeigersinn angezogen wird Rechtes Pedal · R · Rechtsgewinde Ansicht von außen Tretlager ← Kurbelarm 15mm Vorn ▶ Im Uhrzeigersinn ↻ Kurbel im Schnitt Pedalkörper (außen ▶) 9/16″×20 TPI · RH Schnitt von hinten · Steigung übertrieben dargestellt
    Oben: Ansicht von außen (rechts). Unten: Rechtsgewinde wie bei einer normalen Schraube, die Gewindegänge sind in \ -Richtung geneigt.

    Regel: Schlüssel oben an der Pedalachse ansetzen und Richtung Fahrradfront drücken – so wird festgezogen. Gilt für beide Seiten.

    Drehmomente und der richtige Umgang mit dem Drehmomentschlüssel

    Das Drehmoment ist die Kraft, mit der eine Schraube gedreht wird; am Fahrrad wird es in Newtonmetern (Nm) angegeben. 1 Nm entspricht etwa einem Gewicht von 0,1 kg am Ende eines 1 m langen Schlüssels. Beim Anziehen wird die Schraube tatsächlich minimal gedehnt und klemmt das Bauteil mit dieser Elastizität fest. Ist das Drehmoment zu gering, rutscht das Teil; ist es zu hoch, verformt sich die Schraube dauerhaft oder das Bauteil wird zerdrückt. Deshalb können bei derselben 4-mm-Inbusschraube je nach Einsatzort mal 3 Nm, mal 10 Nm richtig sein.

    Tabelle und Diagramm unten fassen branchenübliche Richtwerte zusammen. In der Praxis gilt: Die auf dem Teil eingravierten Werte und die Angaben in der Herstelleranleitung haben immer Vorrang. Gerade Carbon- und Leichtbauteile verlangen oft niedrigere Werte als üblich, und selbst gleichnamige Teile können je nach Generation andere Vorgaben haben. Ob das Gewinde gefettet oder mit Schraubensicherung versehen wird, ändert bei gleichem Drehmoment zudem die tatsächliche Klemmkraft – halten Sie sich daher genau an die Bedingungen der Anleitung.

    Infographic

    Empfohlene Drehmomentbereiche nach Bauteil (Nm)

    Unter Minimum Empfohlener Bereich

    Volle Balkenlänge = 15 Nm

    Ahead-Kappe
    0.5–2
    Lenkerklemmplatte
    4–6
    Vorbau-Schaftklemmung
    5–6
    Hebelschelle (Rennrad)
    6–8
    Sattelklemme
    5–7
    Sattelstrebenklemmung
    5–12

    Je nach Reiter hat der Balken eine andere Bezugslänge (niedrige Drehmomente 15 Nm, hohe 50 Nm). Der dunkle Abschnitt zeigt den üblichen empfohlenen Bereich. Die Angabe auf dem Teil hat immer Vorrang.

    Typische Drehmomentwerte nach Bauteil
    BauteilTypischer Bereich (Nm)WerkzeugAnmerkung
    Lenkerklemmplatte4–64-mm-Inbus / T25Über Kreuz abwechselnd anziehen. Carbonlenker: unterer Wert
    Vorbau-Schaftklemmung5–64-mm-InbusErst Vorspannung über Kappe einstellen, dann anziehen
    Ahead-Kappe0.5–25-mm-InbusNur gegen Spiel, nicht zur Befestigung
    Sattelklemme5–74-/5-mm-InbusCarbon: Paste Pflicht, Rahmenangabe prüfen
    Sattelstrebenklemmung5–125-/6-mm-InbusZwei-Schrauben-Klemmung meist niedriger, Ein-Schrauben-Klemmung höher
    Pedale35–4015-mm-Schlüssel / 8-mm-InbusGewinde fetten. Manche Hersteller erlauben bis 55
    Kurbel-Klemmschrauben12–145-mm-InbusBeide Schrauben abwechselnd in kleinen Schritten
    Bremsscheibenschrauben (6-Loch)2–4T25Über Kreuz. Oft mit Schraubensicherung beschichtet
    Bremssattelschrauben6–85-mm-Inbus / T25Bei gezogenem Hebel zentrieren, dann anziehen
    Steckachse12–156-mm-Inbus / HebelStark produktabhängig (teils 8–10)
    Schaltwerksbefestigung8–105-mm-InbusGewinde im Schaltauge nicht beschädigen
    Flaschenhalter2–34-mm-InbusNietmuttern im Carbonrahmen schonen

    So benutzen Sie den Drehmomentschlüssel richtig

    Ein Klick-Drehmomentschlüssel knickt beim Erreichen des eingestellten Werts spürbar mit einem „Klick“ ab, beim Zeigerschlüssel zeigt eine Nadel auf die Skala, und ein voreingestellter Schlüssel ist auf einen festen Wert (z. B. 5 Nm) fixiert. Bei jedem Typ gilt: Am markierten Punkt des Griffs anfassen und gleichmäßig und langsam drehen – nur so ist das Ergebnis genau. Wer ruckartig zieht, bringt durch die Trägheit deutlich mehr Kraft auf als eingestellt. Drehen Sie beim Klickschlüssel die Skala nach Gebrauch auf den Minimalwert zurück; das entlastet die innere Feder und erhält die Genauigkeit länger. Gewöhnen Sie sich an, Schrauben zunächst von Hand ganz einzudrehen und nur das letzte Anziehen mit dem Drehmomentschlüssel zu erledigen.

    Halten mehrere Schrauben ein Bauteil (Lenkerklemmplatte, Bremsscheibe, Kurbel-Klemmschrauben), ziehen Sie nicht eine nach der anderen ganz fest, sondern alle über Kreuz abwechselnd in kleinen Schritten, bis sie gemeinsam den Endwert erreichen. So verteilt sich die Kraft gleichmäßig, und das Teil wird nicht verspannt fixiert.

    Grundlagen des Bikefittings: drei Kontaktpunkte zwischen Körper und Rad

    Beim Bikefitting geht es letztlich darum, die Lage der drei Kontaktpunkte zwischen Körper und Fahrrad festzulegen: Sattel (Gesäß), Pedale (Füße) und Lenker (Hände). Stimmt das Verhältnis dieser drei Punkte nicht, schmerzen selbst auf dem teuersten Rad Knie, Rücken und Handgelenke, und die Kraft wird nicht richtig übertragen. Passen die Kontaktpunkte dagegen, wird selbst ein gewöhnliches Rad erstaunlich bequem. Die übliche Reihenfolge lautet: Füße (Cleats) → Sattelhöhe → Sattelversatz → Lenkerhöhe und -abstand. Denn der untere Kontaktpunkt ist jeweils die Bezugsgröße für den oberen.

    Sattelhöhe: LeMond-Formel und 109-%-Formel

    Die Sattelhöhe ist der wichtigste Faktor beim Bikefitting. Ist der Sattel zu tief, wird das Knie zu stark gebeugt, die Belastung vorn am Knie (rund um die Kniescheibe) steigt, und die Kraftentfaltung leidet. Ist er zu hoch, wird das Bein am unteren Totpunkt überstreckt – das Becken kippt seitlich, und Kniekehle sowie hintere Oberschenkelmuskulatur ziehen.

    Der bekannteste Ausgangspunkt ist die LeMond-Formel. Tour-de-France-Sieger Greg LeMond machte die Methode in den 1980er-Jahren mit seinem Buch populär: Die Schrittlänge (Inseam) wird mit 0,883 multipliziert, und das Ergebnis ist der Abstand von der Tretlagermitte bis zur Satteloberkante, gemessen entlang des Sitzrohrs. Bei 80 cm Schrittlänge sind das etwa 70,6 cm. Die Formel berücksichtigt zwar die Kurbellänge nicht, ist aber einfach und gut reproduzierbar und wird deshalb bis heute am häufigsten verwendet.

    Die ältere 109-%-Formel geht auf eine Studie von Hamley und Thomas aus dem Jahr 1967 zurück. Die Schrittlänge mal 1,09 ergibt den Abstand von der Pedalachse (bei in Sitzrohrrichtung abgesenkter Kurbel) bis zur Satteloberkante. Da der Bezugspunkt die Pedalachse und nicht das Tretlager ist, muss man zur Umrechnung auf das Tretlager die Kurbellänge abziehen. Bei 80 cm Schrittlänge und 172,5-mm-Kurbel ergibt sich 87,2 − 17,25 ≈ 70,0 cm – fast derselbe Wert wie bei LeMond.

    Vergessen Sie nicht: Beide Formeln sind nur statistische Ausgangspunkte. Beim echten Fitting wird zusätzlich feinjustiert, bis das Knie am unteren Totpunkt kurz vor der vollen Streckung steht, also etwa 25–35 Grad gebeugt ist (bekannt als Winkelkriterium nach Holmes). Denn Sprunggelenkwinkel, Sohlendicke, Cleathöhe und Beweglichkeit sorgen für individuelle Unterschiede.

    Sattelversatz und KOPS

    Steht die Sattelhöhe, geht es darum, wie weit vorn oder hinten der Sattel auf seinen Streben sitzt. Der klassische Maßstab ist KOPS (Knee Over Pedal Spindle): Sitzen Sie mit waagerechter Kurbel (3-Uhr-Stellung) auf dem Rad und lassen ein Lot direkt unterhalb der Kniescheibe vorn herabhängen, verschieben Sie den Sattel so, dass die Lotlinie durch die Pedalachse verläuft.

    KOPS ist allerdings weniger eine biomechanisch bewiesene „richtige Lösung“ als ein bewährter, praktischer Ausgangspunkt aus langer Erfahrung. Zeitfahrer schieben den Sattel weiter nach vorn, Langstrecken-Tourer oder MTB-Fahrer eher etwas nach hinten. Wichtig ist eine Position, in der der Oberkörper auch ohne Hände am Lenker nicht nach vorn kippt, sondern im Gleichgewicht bleibt. Da sich mit dem Versatz auch die effektive Sattelhöhe minimal ändert, sollten Sie nach dem Verschieben die Höhe erneut prüfen.

    Lenkerhöhe und Reach

    Die Lenkerposition beschreibt man über die Höhe (Sattelüberhöhung) und den Reach (horizontaler Abstand vom Sattel zum Lenker). Je größer die Überhöhung und je länger der Reach, desto tiefer und gestreckter ist der Oberkörper – das senkt den Luftwiderstand, belastet aber Rücken, Nacken und Handgelenke stärker. Einsteiger oder wenig bewegliche Fahrer beginnen am besten mit dem Lenker etwa auf Sattelhöhe und etwas kürzerem Reach. Sind die Ellbogen beim Greifen des Lenkers leicht gebeugt und können Stöße abfedern, und ziehen sich die Schultern nicht zu den Ohren hoch, passt der Reach.

    Die Höhe passen Sie an, indem Sie Spacer von unterhalb des Vorbaus nach oben umsetzen oder einen Vorbau mit anderem Winkel montieren; den Reach über die Vorbaulänge. Eine andere Vorbaulänge verändert auch das Lenkgefühl: Kurze Vorbauten machen die Lenkung agiler, lange stabiler. Müssen Sie den Vorbau am Rennrad um mehr als 2–3 cm ändern, passt womöglich die Rahmengröße selbst nicht. Für die Lenkerbreite wählt man meist etwa den Abstand zwischen den äußeren Schulterknochen (Akromion).

    Cleat-Position

    Wer Klickpedale fährt, legt mit der Cleat-Position die Grundlage für das gesamte Fitting. Üblicherweise wird das Cleat in Längsrichtung so eingestellt, dass der Großzehenballen (das Köpfchen des ersten Mittelfußknochens) direkt über oder knapp vor der Pedalachse liegt. Die seitliche Position wählt man so, dass sich das Knie beim Treten gerade auf und ab bewegt; der Drehwinkel folgt der natürlichen Fußstellung beim Gehen oder Stehen. Cleats mit Float (seitlichem Bewegungsspielraum des Fußes) lassen das Knie anfangs selbst einen angenehmen Winkel finden und senken das Verletzungsrisiko.

    So messen Sie die SchrittlängeStellen Sie sich barfuß mit dem Rücken an eine Wand, klemmen Sie ein dickes Buch mit dem Rücken nach oben zwischen die Beine und drücken Sie es sanft nach oben, als säßen Sie auf einem Sattel. Mit dem Buchrücken im rechten Winkel zur Wand ist die Höhe vom Boden bis zur Buchoberkante Ihre Schrittlänge. Zwei- oder dreimal messen und den Mittelwert nehmen erhöht die Genauigkeit.

    Interactive 3

    Bikefitting-Rechner

    140–210cm
    Vom Schritt bis zum Boden. Leer lassen = Schätzung mit Körpergröße × 0,46
    Beobachten Sie in der Grafik, wie sich der Kniewinkel verändert.
    Empfohlene Sattelhöhe (Tretlagermitte → Satteloberkante)
    71.5 cm
    LeMond-Formel: Schrittlänge × 0,883
    Empfohlener Rahmen54cm
    GrößeM
    109-%-Formel (ab Pedalachse)88.3cm
    Empfohlene Kurbellänge172.5mm
    Seitenansicht von Fahrer und Rad Ein Fahrer mit Körperproportionen nach Ihrer Größe und Schrittlänge sitzt auf einem Rad mit der berechneten Sattelhöhe. Angezeigt werden der Kniebeugewinkel am unteren Totpunkt und die Höhe von der Tretlagermitte bis zur Satteloberkante.
    Kniebeugung am unteren Totpunkt ca. 30° – im empfohlenen Bereich (25–35°). (Vereinfachtes 2D-Modell, das die Höhe nach LeMond-Formel mit ca. 30° ansetzt. Der tatsächliche Winkel hängt von Sprunggelenkwinkel und Schuhen ab.)

    Rahmengrößentabelle

    Die Rahmengröße ist der einzige Fitting-Faktor, der beim Kauf festgelegt wird und sich später nicht mehr ändern lässt. Sattelhöhe und Vorbaulänge kann man beliebig anpassen, doch ist der Rahmen zu groß oder zu klein, reicht der Einstellbereich nicht mehr aus. Die Tabelle unten zeigt übliche Bereiche nach Körpergröße – denken Sie aber daran, dass jede Marke Größen anders angibt.

    Rennräder werden traditionell nach Sitzrohrlänge in cm angegeben (gemessen von der Tretlagermitte bis zum Ende des Sitzrohrs, „M-O“, oder bis zur Mitte des Oberrohrs, „M-M“), Mountainbikes in Zoll, und inzwischen nutzen viele Marken Buchstaben wie S, M, L. Selbst eine „54“ kann je nach Marke unterschiedlich ausfallen; am genauesten ist daher der Vergleich von Stack und Reach. Stack ist der vertikale Abstand von der Tretlagermitte zur Oberkante des Steuerrohrs, Reach der horizontale – anders als die Sitzrohrlänge lassen sie sich unabhängig von der Rahmenform vergleichen. Auch bei gleicher Körpergröße kann je nach Arm- und Beinproportionen eine andere Größe passen. Liegen Sie zwischen zwei Größen, wählen Fahrer mit langen Beinen meist die größere, Fahrer mit kurzem Oberkörper oder geringer Beweglichkeit die kleinere.

    Richtwerte für Rahmengrößen nach Körpergröße und Fahrradtyp
    Körpergröße (cm)BuchstabeRennrad (cm)MTB (inch)Fitnessbike (cm)
    ~155XXS–XS44–4713–1443–46
    155–163XS47–5014–1546–48
    163–170S50–5215–1648–51
    170–177M53–5517–1851–54
    177–184L56–5819–2055–58
    184–191XL58–6021–2258–61
    191~XXL61~23~61~

    Die Tabelle zeigt allgemeine Richtwerte. Geben Sie Ihre Körpergröße im Rechner ein, wird die passende Zeile hervorgehoben. Prüfen Sie vor dem Kauf unbedingt die Größentabelle und Geometrie der jeweiligen Marke.

    Auch die Kurbellänge ist eine Größenfrage

    Die Kurbellänge eines Komplettrads richtet sich meist nach der Rahmengröße: üblich sind 165–170 mm bei kleinen, 170–172,5 mm bei mittleren und 175 mm bei großen Rahmen. Inzwischen wählen auch große Fahrer gern kürzere Kurbeln, weil Hüfte und Knie am oberen Totpunkt weniger stark gebeugt werden und sich eine tiefe Position bequemer halten lässt. Wechseln Sie auf kürzere Kurbeln, müssen Sie den Sattel entsprechend anheben – denn der tiefste Punkt der Pedalachse rückt näher ans Tretlager.

    Umgang mit Carbonteilen: Sorgfalt ist Sicherheit

    Kohlenstofffaserverstärkter Kunststoff (CFK) ist leicht, steif und dämpft Vibrationen hervorragend, versagt aber völlig anders als Metall. Aluminium und Stahl geben bei Überlastung eine „Warnung“, indem sie sich zuerst verbiegen oder dehnen. Carbon dagegen sieht bis zur Belastungsgrenze äußerlich intakt aus und versagt dann, indem innere Harzschichten aufreißen oder Fasern brechen. Mikrorisse durch zu fest angezogene Klemmschrauben sind nicht sofort sichtbar, können unter wiederholter Belastung aber wachsen.

    Deshalb lautet die erste Regel im Umgang mit Carbonteilen: Drehmomentschlüssel benutzen. Die zweite: Carbon-Montagepaste. Sie enthält feine Partikel, die die Reibung erhöhen, sodass Teile beim gleichen Drehmoment weniger rutschen – man muss das Drehmoment also nicht übermäßig erhöhen, um ein Rutschen zu verhindern. Verwenden Sie sie bei Carbon-Sattelstützen, an den Klemmflächen von Carbonlenkern und Vorbauten sowie an Carbon-Gabelschäften; normales Fett gehört nicht auf Carbon-Klemmflächen.

    Die dritte Regel betrifft die Klemmstelle. Spannen Sie ein Carbonrad im Montageständer nie an dünnen Rahmenrohren wie Ober- oder Unterrohr ein. Klemmen Sie stattdessen die Sattelstütze oder nutzen Sie einen Ständer, der das Rad an Steckachse und Tretlager abstützt. Im Carbon-Gabelschaft muss ein Expander verwendet werden, der bis in den Klemmbereich des Vorbaus reicht – eine Kralle (Star-Fangled Nut) für Metallschäfte darf keinesfalls eingeschlagen werden. Damit der Schaft weder zu weit über den Vorbau hinausragt noch unterhalb der Vorbauklemmung endet, setzt man üblicherweise einen kleinen Spacer auf den Vorbau und lässt das Schaftende einige Millimeter unter dessen Oberkante enden. Die genauen Maße entnehmen Sie den Vorgaben des Gabelherstellers.

    Sofort stoppen, wenn …nach einem Sturz oder Zusammenstoß ein neues Knarzen aus einem Carbonteil zu hören ist oder unter dem Lack Haarrisse, Ablösungen oder Druckstellen sichtbar sind. Fahren Sie dann nicht weiter, sondern lassen Sie das Teil im Fachhandel prüfen. Bei Carbon lassen sich innere Schäden von außen kaum beurteilen.

    Check nach den ersten 100 km

    Während der ersten paar Dutzend Kilometer „setzen“ sich bei einem neuen Rad diverse Teile. Das ist kein Defekt, sondern ganz normal – unbeachtet führt es aber zu Schaltproblemen oder schwammigen Bremsen. Lassen Sie das Rad daher etwa nach 100–200 km oder innerhalb eines Monats nach dem Kauf einmal durchchecken.

    Zuglängung

    Die Züge mechanischer Schaltungen und Bremsen scheinen sich bei den ersten Fahrten etwas zu längen. Tatsächlich dehnt sich der Innenzug minimal, vor allem aber setzen sich die Endkappen der Außenhüllen und die Hüllen selbst unter Druck. Folge: Die Schaltung reagiert verzögert, besonders beim Schalten vom kleinen auf das größere Ritzel. Meist hilft es, die Zugeinstellschraube in Vierteldrehungen gegen den Uhrzeigersinn zu drehen, um die Spannung auszugleichen. Hat bei mechanischen Bremsen der Leerweg des Hebels zugenommen, stellt man ihn nach demselben Prinzip nach. Hydraulische Bremsen kennen keine Zuglängung; dort gleichen die Kolben den Belagverschleiß automatisch aus.

    Speichen setzen sich – Laufradcheck

    Unter der ersten Belastung setzen sich die Speichen neuer Laufräder minimal zwischen Nippel und Nabenflansch. Handgebaute Laufräder werden beim Einspeichen entspannt (Stress Relieving); bei maschinell in Serie gefertigten Laufrädern von Kompletträdern fehlt dieser Schritt oft, sodass die Spannung nach den ersten Fahrten ungleichmäßig werden kann. Drehen Sie das Laufrad langsam und beobachten Sie, ob die Felge relativ zu Bremsbelag oder Bezugspunkt seitlich schlägt, und drücken Sie die Speichen paarweise mit der Hand zusammen, um auffällig lockere zu finden. Bei Seitenschlag muss mit dem Speichenschlüssel nachzentriert werden – ohne Übung überlassen Sie das besser dem Fachhändler.

    Checkliste nach 100 km

    • Schaltung: Schaltet jeder Gang geräuschlos? Spannung über Einstellschraube nachstellen
    • Bremsen: Hebelweg, Belagausrichtung, Schleifen der Bremsscheibe
    • Schrauben: Drehmoment an Vorbau, Sattelstütze, Kurbel, Pedalen, Achsen erneut prüfen
    • Laufräder: Seitenschlag, Speichenspannung, Nabenspiel
    • Steuersatz: Spiel und Leichtgängigkeit erneut prüfen (anfangs können sich die Lager setzen und Spiel entstehen)
    • Reifen: Luftdruck, eingedrungene Fremdkörper, Flankenschäden
    • Kette: Das Werkskonservierungsöl verschwindet und die Kette trocknet leicht aus – reinigen und Kettenöl auftragen

    Nach diesem Check ist das Rad endlich „eingefahren“. Danach legen Sie die Wartungsintervalle je nach Fahrleistung und Einsatzbedingungen fest – mehr dazu im nächsten Kapitel, Reparatur.

    Häufige Fragen

    Kann ich auch ohne Drehmomentschlüssel montieren?

    Bei günstigen Rädern mit überwiegend Alu- und Stahlteilen mag das Gefühl eines geübten Schraubers genügen, doch das Handgefühl von Einsteigern schwankt stärker als gedacht. Sobald auch nur ein einziges Carbonteil verbaut ist, ist ein Drehmomentschlüssel praktisch Pflicht. Schon ein voreingestellter Drehmomentschrauber mit fixen 5 Nm reicht, um die meisten kritischen Schrauben wie an Vorbau und Sattelstütze sicher anzuziehen.

    Ich habe das linke Pedal falsch herum gedreht – das Gewinde ist wohl beschädigt.

    Hören Sie sofort auf und wenden Sie keine weitere Kraft an. Ist nur der Gewindeanfang leicht beschädigt, lässt er sich mit einem Pedalgewindebohrer nachschneiden; bei stärkeren Schäden muss ein Gewindeeinsatz wie Helicoil gesetzt oder der Kurbelarm ersetzt werden. Das erledigen die meisten Werkstätten – drehen Sie das Pedal nicht mit Gewalt ein, sondern bringen Sie das Rad vorbei.

    LeMond-Formel oder 109-%-Formel – welcher soll ich trauen?

    Beide sind Ausgangspunkte. Die LeMond-Formel bezieht sich auf die Tretlagermitte und ist leicht zu messen, die 109-%-Formel auf die Pedalachse und berücksichtigt damit die Kurbellänge. Liegen beide Werte weniger als 1 cm auseinander, beginnen Sie dazwischen und justieren dann in 2–3-mm-Schritten nach, während Sie beim Fahren auf Kniewinkel und Beckenbewegung achten – das ist der praktikabelste Weg.

    Die Sattelhöhe stimmt von Anfang an – trotzdem schmerzt das Knie.

    Neben der Sattelhöhe kommen Sattelversatz, Drehwinkel und seitliche Position der Cleats, die Kurbellänge sowie eine zu schnelle Steigerung des Trainingsumfangs infrage. Schmerzen vorn am Knie treten oft bei zu tiefem oder zu weit vorn stehendem Sattel auf, Schmerzen außen oder innen bei falschem Cleatwinkel. Halten die Beschwerden an, wenden Sie sich an einen professionellen Bikefitter oder an medizinisches Fachpersonal.

    Was unterscheidet Schnellspanner und Steckachse?

    Beim Schnellspanner wird ein dünner, 5 mm starker Spannspieß per Exzenterhebel gespannt und klemmt das Laufrad zwischen den Ausfallenden; bei der Steckachse wird eine 12–15 mm dicke Achse direkt ins Gewinde von Gabel oder Rahmen geschraubt. Steckachsen sind steifer, das Laufrad sitzt immer an derselben Stelle, und sie harmonieren gut mit Scheibenbremsen – daher sind sie heute Standard bei Scheibenbremsrädern.

    Nach der Montage quietscht die Bremse.

    Bei Scheibenbremsen sind die Beläge wahrscheinlich noch nicht eingebremst, Scheibe oder Beläge mit Öl verschmutzt oder der Bremssattel ist nicht korrekt ausgerichtet. Zentrieren Sie zuerst den Sattel neu, reinigen Sie die Scheibe mit Isopropylalkohol und bremsen Sie die Beläge anschließend ein. Verschmutzte Beläge lassen sich oft nicht vollständig reinigen und müssen dann ersetzt werden.

    Ich liege genau zwischen zwei Rahmengrößen.

    Ein kleinerer Rahmen lässt sich mit Vorbau und Sattelstütze in der Regel leicht „verlängern“, einen größeren zu verkleinern ist dagegen nur begrenzt möglich. Bei geringer Beweglichkeit oder Wunsch nach bequemer Haltung ist die kleinere Größe meist die bessere Wahl, bei langen Beinen oder Wunsch nach stabilem Geradeauslauf die größere. Vergleichen Sie nach Möglichkeit Stack und Reach beider Größen und machen Sie eine Probefahrt.

    Darf die Sattelstütze über die Mindesteinstecktiefe hinaus ausgezogen werden?

    Nein. Wird die Stütze über die Markierung hinaus ausgezogen, konzentriert sich die Hebelkraft auf das obere Ende des Sitzrohrs und die Stütze – eines von beiden kann brechen. Reicht die Sattelhöhe nicht aus, tauschen Sie die Stütze gegen eine längere oder prüfen Sie, ob der Rahmen nicht zu klein ist.